
Im produzierenden Gewerbe hängt der Erfolg von einer Vielzahl an Systemen ab: Software für CRM, Supply Chain- und Business Continuity Management, Lagerverwaltung, Produktionssteuerung, Maschinenparameter, Personalmanagement sowie Wartung und Instandhaltung greifen ineinander. In der Praxis sind das noch meist getrennte Datenbanken mit eigenen Strukturen und Logiken. Die Integration, Synchronisation und Analyse der Daten ist oft aufwendig, teuer und fehleranfällig. Automatisierungspotenzial bleibt ungenutzt und Werkzeuge wie Business Intelligence oder künstliche Intelligenz arbeiten isoliert voneinander. Verantwortliche treffen Entscheidungen auf Basis unvollständiger Daten oder Bauchgefühl.
Datenräume normieren
Hier setzt der Ansatz der geo-intelligenten Cluster der Firma The Green Bridge an. Diese bilden eine raumbasierte Datenbank, die Informationen aus heterogenen Systemen integrieren kann. Als Datenmodellierung dienen wenige definierte Regeln in Bezug auf Raum, Zeit und Identifikation. Danach stehen alle Datensätze in einem geografischen Rahmen und, durch den Zeitstempel im Datenmodell, in einem Zeitraster im Kontext. Datensätze erhalten geo-spatiale, universelle und eindeutige Kennungen. So entsteht ein digitaler Zwilling für angebundene Unternehmensbereiche, vom Lager über die Produktionsstraße bis zum Außendienst. Der Zugriff auf diese Datenräume erfolgt über ein relationales Datenmodell sowie eine mobile Applikation für den Austausch von Echtzeitdaten.
Ohne gemeinsame Logik verknüpft
Im Rahmen des Datenmodells lassen sich Daten aus den Geschäftszweigen miteinander verknüpfen, analysieren und automatisiert in Geschäftsprozesse überführen, ohne die jeweiligen Datenlogiken anpassen zu müssen.
Auf Wärmeinseln automatisiert reagieren
In Produktionshallen reichen zentrale Raumtemperaturfühler selten aus, um lokale Überhitzungen zu erkennen. Maschinen und Anlagen erzeugen durch ihre Last Wärmeinseln, die die Klimaanlage nicht bemerkt, wenn sie nur die durchschnittliche Hallentemperatur misst und steuert. Wird ein Hallenbereich zu heiß, können sich die Qualität gefertigter Teile oder sogar die Anlagen selbst aus den Toleranzbereichen lösen. Im Konzept des Cluster Twins von The Green Bridge sollen sogenannte Open AreaSeals das Problem durch geo-referenzierte Wärmebilder lösen. Werden entsprechende Datenquellen angebunden, erkennt das System, ob eine Temperaturerhöhung einen allgemeinen Raumtrend oder einen kritischen Einzelfall an einer Maschine widerspiegelt. Dabei überwacht die Software einzelne Maschinen im räumlichen Kontext. Gesteuert wird nicht über absolute Einzelwerte, sondern relativ zum räumlichen Wärmeverlauf. Bestehen trotz Solltemperatur lokale Hotspots, meldet das System dies automatisch und senkt die Leistung der angebundenen Klimaanlage solange, bis die Wärmeinseln verschwinden.
Wie funktioniert diese Datenkommunikation?
Die Klimaanlage regelt nicht nach ihren eigenen Sensoren, sondern nach den geo-referenzierten Maschinendaten. Im normierten Datenraum lassen sich zahlreiche Datenquellen und -formate zur Steuerung unterschiedlicher Systeme nutzen – ohne direkte Schnittstellen oder vereinheitlichte Logik. Daten verschiedener Hersteller werden erfasst und ggf. analysiert. Über den digitalen Zwilling kommunizieren beispielsweise Pick-and-Place-Roboter von Kuka mit Förderanlagen von Bosch Rexroth und Klimasystemen von Mitsubishi Electric.
Einfluss auf produzierende Firmen
Es lassen sich Daten aus IT- und OT-Systemen integrieren. Erfasste Daten können dann in Business Intelligence und KI-Anwendungen genutzt werden. Mögliche Use cases finden sich in zahlreichen Branchen, darunter die Lebensmittelproduktion, bei Verpackungsanlagen, in der Pharma- oder Automobilindustrie. Das System lässt sich schrittweise aufbauen, wobei ein guter Startpunkt oft die Instandhaltung ist. Dort spielen orts- und zustandsbezogene Datenmodelle oft schnellen Nutzen aus. Ein weiterer Case stellt die Synchronisation der CRM-Daten mit Außendienstaktivitäten dar. Im Bereich der Supply Chain lässt sich mit dem System ein Echtzeit-Tracking von Lager- und Transportprozessen umsetzen.
Der Weg zur Operational Excellence führt über Datenräume, die Komplexität reduzieren, Prozesse synchronisieren und Entscheidungen datenbasiert unterstützen. Geo-spatiale Cluster können eine Grundlage dafür schaffen.

Autor:
Prof. Roman Brylka ist
Geschäftsführer der
The Green Bridge GmbH.




















